Der zweite Weltkrieg von 1939 bis 1945 forderte noch mal 17 Opfer und weitere zehn Vermisste. Während der Kriegshandlungen mussten alle Einwohner den Ort im April 1945 zwei Mal verlassen. Am 8. Mai 1945 war Waffenstillstand und die faschistische Wehrmacht musste bedingungslos kapitulieren. Alle Einwohner kamen von der Flucht zurück. Der Krieg hatte im Ort und der Umgebung grausame Spuren hinterlassen. Der größte Teil der Einwohner waren zu dieser Zeit Bauern, bei denen auch ein Teil der Einwohner eine Arbeit fand.Kapitulation Da kaum noch Vieh in den Ställen war, war es für die meisten Bauern ein sehr schwerer Anfang. Durch den Krieg waren im Ort vier Wohnhäuser und eine Scheune abgebrannt. Manch brauchbare Gegenstände lagen in Fluren und Feldern. Die Eisenbahnbrücken an der Burkauer Straße und an der B6 waren gesprengt worden. Dabei wurden die angrenzenden Gebäude beschädigt. Der Ort selbst hatte 17 Tote und 9 Vermisste zu beklagen. Da lange Zeit keine Bahn fuhr, mussten die Bauern mit den Pferden aus Wetro und anderen Gruben für die Bäckerei Kohle holen. Einen sehr lebendigen Blick in die letzten Kriegstage vermittelt uns ein Erlebnisbericht, aufgeschrieben vom langjährigen Ortschronisten Herrn Manfred Barchmann.

DAS KRIEGSENDE, WIE ICH ES ALS 14 JÄHRIGER ERLEBT HABE

Am 20. April mussten alle Einwohner den Ort verlassen, da die Front immer näher kam. Die Bauern verstauten ihr Hab und Gut auf Pferdewagen, die kleinen Leute auf Handwagen.Fluechtlingstreck Das Vieh in den Ställen wurde ins Freie getrieben und ihrem Schicksal überlassen. Meine Eltern und wir sechs Kinder verstauten unsere Kleidung auf zwei Handwagen, die wir beim Nachbarn, dem Bauern Schmidt, anhängen durften. Am ersten Tag ging es bis nach Neukirch zur Übernachtung und am nächsten Tag weiter bis Wehrsdorf, wo wir dann auch bis zum Kriegsende, dem 8.Mai 1945, blieben. An diesem Tag sind wir mit Herrn Bauer Schmidt am frühen Morgen in Richtung Heimat aufgebrochen, immer mit dem Gedanken: Was wird uns da erwarten?
In Steinigtwolmsdorf nahmen uns polnische Soldaten das Fahrrad weg und in Schmölln wurde dem Bauer Schmidt ein Pferd ausgespannt. Als wir gegen Abend, der Weg führte uns über Kynitzsch und Neu-Schönbrunn, unser Dorf erblickten, sahen wir ein abgebranntes Haus, so dass anzunehmen war, dass in den zwei Wochen die wir weg waren, das Dorf beschossen oder von Flugzeugen bombardiert worden war.Zerstoerungen
Kriegsschäden waren an folgenden Gebäuden zu verzeichnen: Das Wohnhaus des Arbeiters Martin Richter (heute Minkwitz), das Wohnhaus des Bauern Ledrich, das Wohnhaus des Arbeiters Paul Gnauck (heute Ronny Schwarz), die Scheune und der Geräteschuppen des Landwirtes Martin Katzer (heute Katja Kinzel), das Wohnhaus des Arbeiters Paul Große (heute Natschke) und im Ortsteil Kynitzsch (Schliefermühle) das Wohnhaus des Landwirtes Ernst Mütze. Vor meinem Elternhaus, der Bäckerei Barchmann, war eine Granate im Hof eingeschlagen, so dass sämtliche Fensterscheiben der Hofseite zu Bruch gegangen waren. Aber das Haus stand noch und das war das Wichtigste.

MANFRED BARCHMANN, ORTSCHRONIST

Während des Krieges hatten die Bauern fremde Arbeitskräfte aus verschiedenen Ländern Europas. Zusätzlich wurden Kriegsgefangene zugewiesen. Nach Kriegsende wurde der Ort durch die Rote Armee besetzt, mit deren Unterstützung allmählich wieder geregelte Verhältnisse einzogen. Oskar Gnauck aus Neu-Schönbrunn wurde zum kommissarischen Bürgermeister ernannt. Der Bäckermeister Barchmann wurde beauftragt, für alle hungrigen Bürger Brot zu backen.